// Alba D'Urbano
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Die Installation "L'età dell'oro" im Rahmen der Ausstellung "GeldLust: ModellBanking" in der Kunsthalle Tirol stand in Korrespondenz zum Ausstellungsort, einem alten Salzlager. Vorausgegangen war die Idee, mit traditionell kostbaren Rohstoffen eine Installation zu errichten, die auf subtile Weise die Kostbarkeit und den Wert von materiellen Gütern in Frage stellt. Die Installation faszinierte visuell durch eine riesige Menge von Goldtalern aus Schokolade, ein gängiges und geläufiges Produkt der Süsswarenindustrie. Diese Taler sind einerseits traditionell ein Symbol für Reichtum und Wohlstand, andererseits aber auch Objekt kindlicher Sehnsüchte und Erinnerungen.


Die Anhäufung der Münzen visualisiert zunächst einen gehorteten Schatz. Gleichzeitig ist es aber auch als Rest zu verstehen, als Anfang vom Ende. Im Zeitalter virtueller Zahlungsmittel verliert das Geld seine fetischistische Aura. Zurück bleibt die Sehnsucht nach dem Goldenen Zeitalter: l'età dell'oro, als nostalgisches Bild vergangenen Glücks.

In der Antike zierten Herrscherportraits die Münzen, heute bestimmen kulturelle und geistige Größen den Anblick. Sie sind politisch neutral, stehen für ein bestimmtes Image, werden auratisiert. Geld korreliert seit jeher mit Politik, Religion oder Ethik. Jedoch ist die Spiegelung dieser Werte im Geld paradox, da sie eben nicht materialisierbar sind. Gegen diesen Schein des Unerreichbaren setzt die Installation reale Tatsachen. Ein aus dem Internet entnommenes Portrait eines unterernährten Kindes ziert eine Seite der Schokotaler. Auf der andere Seite der Münze ist im Bezug auf die Hauptwährung unserer Zeit der Satz "In God we trust" geprägt, der obsessiv auf jedem Dollar, ob Schein oder Münze, zu finden ist. Diese sprichwörtliche "Kehrseite der Medaille" ist das hintergründige Thema der Installation. Die dargebotenen Taler, 30.000 Stück, entsprechen der Zahl der Kinder, die täglich an Unterernährung und deren Folgen sterben. Von oben betrachtet, zeichnen die scheinbar wahllos angeordneten Münzen das Portrait auf dem Boden nach. Nur über eine unter der Decke installierten Webkamera war diese Erfahrung möglich.


Die Besucher waren aufgefordert, sich bewusst oder unbewusst am Raubbau und Abbau zu beteiligen, mussten aber im Tausch für jeden entnommenen Taler einen enstsprechenden Geldwert in der Ausstellung hinterlassen. Dieser Berg war kostbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine weitere Webkamera war auf eine Plexiglasbox gerichtet, in der das von den Besuchern getauschte Geld gesammelt wurde. Die durch die Besucher erzeugten täglichen Veränderungen wurden live im Internet* übertragen.

Die Installation stellte den Besuchern jedoch eine Falle. Angelockt von
der Aura des Goldes, bereicherte er sich. Erst auf den zweiten Blick wurde
deutlich, was er in der Hand hielt: human capital, zum Verzehr geeignet.
Constanze Küsel schreibt in ihrem Buch Schokolade in der Kunst: "Wer kennt nicht das zur Weihnachtszeit in den Supermarktregalen uns begegnende in goldenes Stanniolpapier eingewickelte Schokogeld aus Schokolade billigster Sorte? Hier wird der Kakao erneut zum Zahlungsmittel. Die Installation "L'età dell'oro" forderte die Besucher auf, sich bewusst an dem Raub und Abbau zu beteiligen. (...) der Konsument wird mit seinem Gewissen konfrontiert. Ein innerer Konflikt entsteht: Die Erinnerung an eine glückliche Kindheit gekoppelt mit der Visualisierung unterernährter Kinder aus den Ländern, aus denen der für unsere Kindheitserinnerungen notwendige Rohstoff importiert wird. Und wer möchte nicht gerne einen Kunsttaler erwerben, auch wenn sich das Konterfei des Kindes dabei in nichts auflöst. D'Urbano und Reichelt beschreiben mit ihrer Installation vielleicht weniger das nostalgische Bild des vergangenen Glücks als das Zeitalter des Kapitals, in dem postkolonial gesehen des Einen Freud auch immer des Anderen Leid bedeutet. Deutlicher kann man die Kostbarkeit und den Wert materieller Güter nicht in Frage stellen. Mit einer treffsicheren Symbolik und gleichzeitiger Realmetapher rütteln D'Urbano und Reichelt sowohl den Kunst als auch den Schokoladenkonsumenten wach, verweisen auf politische und wirtschaftliche Missstände ebenso wie auf persönliche Gewissenskonflikte. Die Gier nach Rohstoffen ist oftmals auch eine orale Gier, der Produktionsprozess ein ökonomischer Verdauungsprozess. Die Künstler treiben ein doppelbödiges Spiel mit dem Oralen, und das mit einem der süßesten Nahrungsmittel, der Schokolade."
Constanze Küsel: Schokolade in der Kunst. S. 194ff, Frankfurt University Press, Frankfurt 2010